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Wenn das Kind vor den Eltern stirbt

Der Tod eines Kindes ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Egal, wie und in welchem Alter das Kind stirbt, für die Eltern ist nach dem Verlust nichts mehr, wie es einmal war.

Sensibilisierung und Trauerbegleitung

Verstirbt ein Kind, befinden sich die Eltern in einem emotionalen Ausnahmezustand. Besonders wenn ein Kind tot auf die Welt kommt oder wenige Tage nach der Geburt stirbt, fühlen sich die Eltern oft allein gelassen und es fehlt der seelische Beistand in den ersten Stunden.

Dabei sind gerade diese entscheidend für die Trauerbewältigung. Die bewusste Abschiednahme vom Kind, das Kind in den Arm zu nehmen, zu streicheln oder das Kind selbst anzuziehen, sind ausschlaggebend für die spätere Trauerarbeit. In jedem Fall sollten den Eltern bereits im Krankenhaus eine Seelsorge angeboten und Kontakte zu Selbsthilfegruppen und Trauerbegleitern genannt werden.

Der Bundesverband verwaister Eltern e. V. hat eine kleine Broschüre zum Umgang mit trauernden Familien herausgegeben: www.veid.de

Für Gotha und Umgebung gibt es eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern. Der Kontakt kann über Frau Brachmann 036256/21530 oder über www.warum-wir.de hergestellt werden.

Die Rolle des Bestatters

Die Bestattung spielt eine wichtige Rolle für die Trauerarbeit. Vor wenigen Jahren bekamen Totgeburten ab 500 Gramm keinen Namen; Fehlgeburten unter 500 Gramm müssen auch heute nicht bestattet werden. Die Eltern von Fehlgeburten haben jedoch einen Bestattungsanspruch. Dem Kind einen Namen zu geben, hilft den Eltern, es ist wichtig, auch Jahre später nicht nur von „dem Baby“ zu sprechen.

Der Bestatter soll in jedem Fall eine Abschiednahme anbieten. Je offener, aktiver und selbstbestimmter die Eltern Abschied nehmen können, umso besser können sie die nachfolgende Trauerarbeit starten. Eltern begreifen den Tod und den Verlust ihres Kindes eher, wenn sie es noch einmal sehen und berühren. Das Kind selbst zu waschen, es anzuziehen, ihm ein Abschiedsgeschenk oder Erinnerungsstück mit in den Sarg zu legen, sind nur einige Beispiele für eine aktive Beteiligung der Angehörigen.

Der Trauer Raum geben

Trauer ist keine Krankheit, sie ist ein natürlicher Prozess. Beim Verlust eines Kindes ist es besonders wichtig, die verschiedenen Trauerphasen bewusst zu durchleben. Der Tod eines Kindes ist etwas „Unnormales“. Es ist unnatürlich, wenn das Kind vor den Eltern stirbt.
Die Hinterbliebenen müssen vor allem Geduld mit sich selbst haben und ihre Gefühle aushalten. Männer und Frauen trauern oftmals unterschiedlich. Nicht selten zerbricht eine Beziehung nach dem Verlust des gemeinsamen Kindes. Jedes Elternteil plagen Schuldgefühle, oft wird die Schuld bewusst oder unbewusst bei anderen gesucht. Dadurch geraten die Betroffenen auf dem Trauerweg ins Stocken.
Feste Rituale und Erinnerungsstücke können im Laufe der Trauerarbeit eine große Hilfe sein, zum Beispiel das Lieblingsessen kochen, an einem Tag der Woche das Grab besuchen, Kerzen anzünden, das Ultraschallbild oder den Fuß- oder Handabdruck anschauen.

Wie Außenstehende reagieren

Familie und Freunde wissen oft nicht, wie sie mit den Eltern umgehen sollen. Sprachlosigkeit und, noch schlimmer, „aus dem Weg gehen“ sind für die Eltern sehr verletzend. Dabei ist es wichtig, mit den verwaisten Eltern weitgehend normal umzugehen, mit ihnen über das aktuelle Weltgeschehen und den Alltag zu sprechen, aber wenn es sein muss, auch über den Verlust des Kindes. Und ganz wichtig ist es, Geduld zu haben, denn der Trauerweg ist nicht gerade und geht immer wieder auf und ab.


(Auszüge aus Artikel „Die Sonne ging unter bevor es Abend wurde“ der Fachzeitschrift des VDZB, Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland e. V.)