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Bestattungsrituale – alte Hüte oder neue Werte

Das Ritual, eine feierlich-festliche Handlung mit hohem Symbolgehalt. Über Jahrhunderte hat die Kirche die Ritualisierung bei der Abschiednahme von Verstorbenen eingebracht.

Da wo heute die christliche Religion fehlt, die ursprünglich die Rituale bestimmte, ist vieles davon verloren gegangen. Die Berufsgruppen Bestatter, Trauerbegleiter und Trauerredner sind heute gefragt, die Trauernden zu begleiten und zu führen. Sie wissen um die wichtige Rolle ritueller Handlungen bei der Abschiednahme und der späteren positiven Wirkung auf die Trauerbewältigung.

Ein Ausflug in die Vergangenheit: Es war durchaus üblich das Fenster im Sterbezimmer zu öffnen, um der Seele die Möglichkeit zum Entweichen zu geben. Das Läuten der Sterbeglocke oder mehrtägige Totenwache gehörten genauso dazu wie das Aufhängen schwarzer Tücher über der Haustür. Das laute Klagen der Frauen wirkt in anderen Kulturen eher befremdlich, war aber auch hierzulande ein übliches Ritual. Der Leichenschmaus hatte ein vorgegebene Speisenfolge, damit wurde den Trauernden gedankt, die für den Toten beteten.

Die heutigen Nichtchristen stellen den Bestattern immer dieselbe Frage „Wie läuft das Ganze ab?“ Die Trauerfeier spielt dabei die zentrale Rolle. Sie ist das woran sich die Hinterbliebenen erinnern, an die emotionale Rede, an die gut gewählten Musikstücke, an die Minuten am Grab und dem Zusammensein beim Trauerkaffee.

Es gibt viele Möglichkeiten neue Rituale einzuführen und mit alten Ritualen zu verbinden. Zum Beispiel können Familienmitglieder selbst die Trauerrede halten, ganz oder teilweise mit persönlichen Erlebnissen ausschmücken. Livemusik oder Gesang, das Entzünden und Aufstellen von Kerzen am Bild des Toten, Rosen und Erde als Grabbeigaben, Briefe, Zeichnungen, die der Urne oder dem Sarg beigegeben werden, Beamer und Monitore für Bildervorträgehaben auch längst Einzug gehalten in die meist weltlich genutzten modernen Trauerhallen.

Solche Angebote an die hinterbliebenen Familien heranzuführen, sindzeitgemäß und fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl von Familien und Trauernden in der heute gegenteiligen Tendenz.

Autor: Katrin Trenker